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Study on Del Mónaco. Monika Fürst-Heidtmann

Alfredo Del Mónaco
09-01-2007 6:38 pm

Alfredo del Monaco * 29.04.1938 , Venezuela
Monika Fürst-Heidtmann

fuerst-heidtmann@T-Online.de
Biogramm

Alfredo del Monaco, geboren am 29. April 1938 in Caracas, bildet im Spektrum der venezolanischen Komponisten das Bindeglied zur internationalen Avantgarde der 60er- und 70er-Jahre. Er erhielt privaten Klavierunterricht bei Moisés Moleiro sowie Kompositionsunterricht bei dem Italiener Primo Casale. Um seinen Lebensunterhalt verdienen zu können, absolvierte del Monaco dann auch ein Jurastudium an der Katholischen Universität in Caracas und war nach seinem Examen 1961 neun Jahre lang als Rechtsanwalt tätig.
Parallel dazu setzte er seine musikalischen Aktivitäten fort, wobei er sich nun der zeitgenössischen Musik zuwandte, für die er sich schon früh interessiert hatte und die in Venezuela vor allem durch drei zwischen 1954 und 1966 veranstaltete Festivals bekannt geworden war. Im elektronischen Studio des Nationalen Instituts für Kultur und Schöne Künste (INCIBA), dem von dem Chilenen José Vicente Asuar geleiteten Estudio de Fonología Musical in Caracas, entstand del Monacos Cromofonías I (1966/67), Venezuelas erste elektronische Komposition. Seine 1968 dort ebenfalls erarbeitete Estudio electrónico I wurde im gleichen Jahr anlässlich der “Internationalen Woche für experimentelle Musik” in Berlin aufgeführt. 1968 beteiligte sich del Monaco an der Gründung der venezolanischen Sektion der IGNM, deren Präsident er auch eine Zeitlang war.1969–75 ging er, einer Einladung Mario Davidovskys und Vladimir Ussachevskys folgend, an das Columbia-Princeton Electronic Music Center nach New York. Dabei entstanden u. a. Estudio electrónico II (1970) anlässlich des 10jährigen Bestehens des elektronischen Studios der Columbia University und Estudio electrónico III (1974), Teil einer Promotionsarbeit, die ihm 1975 – als erstem lateinamerikanischen Komponisten dort – einen Doktortitel in Musik einbrachte. 1976 hielt sich del Monaco neun Monate lang in Berlin auf. Seit 1977 wieder in Caracas, schrieb er für das 1. Lateinamerikanische Festival für zeitgenössische Musik im venezolanischen Maracaibo Tupac Amarú für Orchester (1977), sein meistaufgeführtes, dem letzten Inka gewidmetes Werk. 1978 gründete er in Caracas das Orquesta Sinfónica Municipal, das neben traditioneller auch zeitgenössische Musik im Programm hat.
Auftragswerke, Choreographien zu vielen seiner Kompositionen, Schallplatten, insbesondere aber Aufführungen bei Festivals in Süd-, Mittel- und Nordamerika, Kuba und Europa machten Alfredo del Monaco auch international bekannt. So war sein Gitarrensolo Tientos del Véspero [Einstimmung auf den Abend] (1991) eines der Prüfungsstücke beim 9. Internationalen Gitarrenwettbewerb in Caracas (1994). Er war Gründungsmitglied und Fellow am Colegio de Compositores de Iberoamérica in Mexiko (1999). Darüber hinaus zeugen seine Vortrags-, Unterrichts- und Jurytätigkeiten in den USA, in Puerto Rico, Mexiko, Chile, Kolumbien und Venezuela von der Wertschätzung, die Alfredo del Monaco auf dem gesamten amerikanischen Kontinent genießt. Er erhielt den Nationalpreis für Vokalmusik “José Angel Montero” für La Noche de las Alegorías (1968), den Nationalen Musikpreis (Venezuela 1999) und den Tomas Luis de Victoria-Preis (Spanien 2002).

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Alfredo del Monaco
Werktext

In Alfredo del Monacos kompositorischem Œuvre mischen sich experimentelle Phasen, die mit dem Herkömmlichen brechen, mit solchen, wo er Traditionelles weiterentwickelt oder es mit Zeitgenössischem verbindet. Nach Dos Fugas Académicas für Streichorchester (1964) und einer Sonata für Streichquartett (1965), die noch den Einfluß Bartóks und Hindemiths spüren lassen, schrieb er mit La Noche de las Alegorías für acht Solostimmen (José María Eguren, 1968) sein erstes und einziges Zwölftonwerk. Dagegen untersucht er in seinen in Caracas realisierten elektronischen Kompositionen, Cromofonías I (1966/67) und Estudio electrónico I (1968), die Struktur der Klangfarbe und die Parameter des Klangs. Von seinen im New Yorker Columbia-Princeton Electronic Music Center erarbeiteten Estudios ist Nr. II (1970) ungeachtet des heiter-spielerischen Charakters auf sorgfältig kalkulierten und ausbalancierten Klangfarben- und Dauernbeziehungen aufgebaut, wohingegen die streng konstruktivistische Estudio electrónico III (1974), in der das gesamte musikalische Geschehen von zwölf, von Tonclustern überlagerten Tönen abzuleiten ist, dem integralen Serialismus zuzuordnen ist. 1972 entstanden Synus 17/251271, del Monacos einziger Versuch mit Computermusik, und das auf der Basis von konkreten bzw. realen Klängen und Geräuschen der Alltagswelt Venezuelas aufgebaute, collagenartige Tonbandwerk Trópicos, ein Beispiel für die sogenannte “música testimonial” (Dokumentations-Musik) und für das sozialpolitische Engagement des Komponisten. In die experimentierfreudige New Yorker Zeit gehören auch das Cuarteto para voces für vier Sprechstimmen (1978) und Cronoformantes für Kunstgalerien (1978), zwei der “concept art” nahestehende Werke.
Da ihm die mit technischen Geräten erzeugte Musik auf Dauer “aseptisch” erschien, hatte del Monaco sie bereits Anfang der 70er-Jahre mit herkömmlichen Instrumenten verbunden. Dabei ging es ihm – etwa in Alternancias für Violine, Viola, Cello, Klavier und elektronische Klänge (1971) und in Dualismos für Flöte, Klarinette, Posaune, Klavier und elektronische Klänge (1971) – um Ähnlichkeiten, Gegensätze und Mischungen der beiden Medien. In Syntagma A für Posaune und elektronische Klänge (1971/72) weiß man oft nicht, woher die Klänge stammen, zumal bei den Mehrklängen, die del Monaco – ebenso wie in der Soloversion Syntagma B (1972) – dem Posaunisten abverlangt. Auch in Solentiname für Kammerensemble (1972/73) und in dem Orchesterwerk Tupac Amarú (1977) ist ein starker Einfluss der elektronischen Musik zu spüren, insbesondere in der Behandlung von Klang und Klangfarbe und im Gebrauch von Unisono und Glissando. Seit Chants für Flöte solo (1988) nimmt del Monaco vermehrt melodisch-lyrische Elemente in seine musikalische Sprache auf, was sich in Werktiteln ausdrückt wie: Tientos de la Noche Imaginada [Einstimmung auf eine imaginäre Nacht] für Gitarre und Orchester (1990/91), Lyrika für Oboe solo (1992), Cantos de la Noche Alta [Gesänge zu später Nacht] für Frauenstimme und Orchester (1992), aber auch in Aforismos für tiefe Flöte und Gitarre (1998).

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